Die Anwendung in Kürze
Ein Möbel, das man wieder auseinandernehmen kann, braucht ein Gedächtnis
Ein modularer Produktpass für ein wandelbares Möbelsystem
Die System 180 GmbH
in Berlin entwickelt seit Jahrzehnten ein modulares Möbelbausystem, das mit wenigen
Grundelementen, wie Profilen und Beschlägen aus Edelstahl sowie Ausfachungen aus MDF, eine große
Vielfalt an langlebigen, zerlegbaren und umbaubaren Möbeln ermöglicht. Genau diese
Wandelbarkeit macht den Digitalen Produktpass besonders anspruchsvoll. Es gibt nicht das
eine statische Produkt, sondern viele Konfigurationen und Bauteile, die sich im Laufe der
Nutzung verändern und immer wieder neu kombinieren lassen. Dazu kommt, dass diese Bauteile
bei Kund*innen, bei Servicepartnern und in Lagern liegen, in hunderten Varianten und ohne
individuelle Kennzeichnung.
Im KI-Pilotprojekt mit dem Green-AI Hub
Mittelstand hat das DFKI dafür eine KI-gestützte Objekterkennung entwickelt, die Möbel, Bauteile und Zustände erkennt und
digital erfasst. Ein Foto ermöglicht eine erste Erkennung von Typ und Anzahl, zusätzliche
Ansichten und Referenzmarker verbessern die Bestimmung von Maß. Beschäftigte prüfen und
korrigieren die Ergebnisse, die in den modularen
Digitalen Produktpass geschrieben werden. Die Anwendung führt sie außerdem mit Daten aus den Produktdatenbanken zusammen. Erfasste Teile wandern in eine
„Kollektion“, ein digitales Lager.
So entsteht eine dynamische Informationsbasis für Bestände, Wiederverwendung und
Nachnutzung, zugänglich für alle relevanten Akteure, wie Kund*innen, Fachhandelspartner,
Planende, Montage- und Logistikdienstleister sowie Hersteller. Damit wird sichtbar, welche
Möbel, Bauteile und Komponenten weitergenutzt, umgebaut, aufgearbeitet oder sortenrein in
den Materialkreislauf zurückgeführt werden können. Die Anwendung verbindet modulares
Produktdesign, digitale Transparenz und KI zu einem praktischen Werkzeug für zirkuläre
Nutzung.
Die Anforderungen kamen dabei nicht aus der Technik, sondern aus dem Betrieb. Beschäftigte
in Pulverbeschichtung, Montage und Lager haben definiert, was ihnen tatsächlich Arbeit
abnimmt. Entsprechend läuft die Anwendung im Browser, ohne Installation und mit
handelsüblichen Kameras. Eine kurze Einweisung genügt. Aus einem Möbelhersteller wird so
schrittweise ein Kreislaufbetrieb. Die Erkennungswahrscheinlichkeit lässt sich durch
weiteres Training Schritt für Schritt erhöhen.